ZEITGEIST | Eine Ode an den Verzicht…

 

In einer Zeit des Überflusses frage ich mich oft: „Was brauche ich eigentlich zum Leben?“ Meine Antwort ist immer dieselbe: „…recht wenig.“ Brauche ich in einem Auto dringend eine Sitzheizung, das Soundsystem, ein Doppelkupplungsgetriebe, Leder und Wurzelholz? Weniger ist manchmal schon mehr. Klingt pathetisch, ist bei genauerem Hinsehen aber der Geist unserer Zeit. Bei Lesage Motors scheint das Weniger bspw. tatsächlich Mehr zu sein. Das französische StartUp-Unternehmen stellt nämlich zwei sportlich ambitionierte Prototypen auf die Räder, die sich optisch an einer ganz speziellen Wagenklasse der 192o er Jahre orientieren…Cyclecars! Und die haben ja bekanntlich…ihr werdet es euch schon denken…fast nichts! Ein Motor, vier Räder, zwei Sitze und ein Lenkrad sollten genügen…


Der Zweisitzer „01E“ wirkt mit einem extrem kurzen Radstand, 3,6o m Länge, 1,75 m Breite und 1,23 m Höhe äußerlich zwar klein und schwach – sein Elektromotor aber verleiht ihm das Potenzial eines echten Wolfs im Schafspelz! Ein guter Bekannter sorgt nämlich im Leichtbau-Franzosen für ordentlich Stimmung an sonnigen Sonntagen: der Elektromotor aus dem Peugeot e-2o8. Seine 100 kW / 136 PS und 26o Nm haben leichtes Spiel mit den 95o kg Leergewicht. Im Gegensatz zum traditionellen Cyclecar aber sorgen modernste Komponenten dafür, dass jene Pferde auch im Zaum gehalten werden. Der Alu-SpaceFrame sorgt nicht nur für das geringe Eigengewicht, sondern auch für ordentlich Verwindungssteifigkeit. 195er Pneus und Doppelquerlenkeraufhängung an Vorder- und Hinterachse hingegen für die entsprechende Querdynamik.


Nice2Know: Cyclecars kamen zwischen 191o und 192o stark in Mode und waren eine Mischung aus Auto und Motorrad. Diese Fahrzeuge boten zwar zwei vollwertige Sitzplätze, waren jedoch viel kleiner als Autos dieser Zeit. Daher saßen Fahrer und Beifahrer in den meisten Fällen hintereinander. Komfort oder den Schutz vor Wind und Wetter vermissten Piloten eines Cyclecars nahezu gänzlich. Oftmals ausgeliefert wurden sie mit schwachbrüstigen Ein- bzw. Zweizylindermotoren, glichen die fehlende Power jedoch durch ein geringes Eigengewicht aus – sie kontrolliert zu fahren war daher nicht Ohne. Motorradgetriebe übernahmen hier oftmals den Kraftschluss. Worin aber lag nun der Vorteil dieser Cyclecars? Mit bis zu 35o kg Leergewicht, nicht mehr als 1.1oo cm³ Hubraum und maximal zwei Sitzplätzen waren sie geringer besteuert und konnten günstiger zugelassen werden.


Der tief im Fahrzeugboden verankerte 5o kWh Akku liefert bis zu 34o km Reichweite. Wer die bis zu 15o km/h TopSpeed jedoch allzu oft ausreizt, dürfte das eher als Fabelzahl verstehen. Ach, eines noch: Wer sich jetzt in den Lesage Motors „01E“ verliebt hat, sollte anfangen zu sparen. Stattliche 62.5oo,- € kostet der auf 5o Stück limitierte E-Kraftzwerg. Und so komme ich wieder zu dem Schluss, dass die Welt heutzutage sehr paradox zu sein scheint: „Weniger kostet offenbar auch mehr.“ Verzicht ist eben der neue Luxus


Quelle: www.elektroauto-news.net