Deutschland tankt Strom

Es ist eine Zahl, die man sich erst mal auf der Zunge zergehen lassen muss: 1,8 Milliarden Liter Benzin und Diesel. Eingespart. Pro Jahr. Nicht irgendwann in der Zukunft – sondern jetzt, durch die Elektroautos, die bereits heute auf deutschen Straßen unterwegs sind.

Das haben Datenexperten von E.ON ausgerechnet – und das Ergebnis ist so beeindruckend, dass selbst überzeugte Verbrenner-Fans zweimal hinschauen dürften.

Zwei Millionen E-Autos: Eine Marke, die zählt

Am 1. Januar 2026 hat Deutschland still und leise Geschichte geschrieben. Laut Kraftfahrt-Bundesamt waren zu diesem Stichtag exakt 2.034.260 rein elektrische Pkw zugelassen – und damit erstmals mehr als zwei Millionen.

Das klingt zunächst nach einer runden Zahl ohne große Bedeutung. Ist es aber nicht. Denn mit jedem einzelnen dieser Fahrzeuge, das täglich über deutsche Straßen rollt, passiert etwas Konkretes: Es verbraucht keinen Tropfen Benzin. Keinen Liter Diesel. Und das summiert sich – auf eine Art, die inzwischen statistisch messbar ist.

Gegenüber dem Vorjahr entspricht der Bestand einem Zuwachs von 23 Prozent – also knapp 400.000 zusätzliche E-Autos binnen zwölf Monaten. Die Elektromobilität in Deutschland ist längst kein Nischenphänomen mehr. Sie ist Realität auf jeder Autobahn, in jeder Stadt, vor jeder Ladesäule.

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Bild: Avi Varma @unsplash

1,8 Milliarden Liter – was das wirklich bedeutet

E.ON hat nachgerechnet – und die Zahlen sind schlicht verblüffend. Die Grundlage der Analyse: Bestandsdaten des KBA, durchschnittliche Fahrleistungen sowie Vergleichswerte zu Verbrauch und Emissionen konventioneller Antriebe vom Institut für Energie- und Umweltforschung Heidelberg. Modellannahme: Jedes zugelassene E-Auto ersetzt ein Fahrzeug mit Verbrennungsmotor.

Das Ergebnis: 1,8 Milliarden Liter Kraftstoff, die jährlich nicht mehr verbrannt werden.

Um diese Menge greifbar zu machen, hat E.ON einen Vergleich gewählt, der wirklich sitzt:

„12 Millionen gefüllte Badewannen. So viel Sprit sparen Deutschlands Elektroautos jedes Jahr ein.“

Wer das einmal visualisiert hat, denkt beim nächsten Einlaufen der Badewanne vielleicht kurz daran. Für Mineralölkonzerne ist das übrigens keine angenehme Rechnung. Für alle anderen schon.

Die CO₂-Bilanz in Zahlen

Neben dem gesunkenen Kraftstoffbedarf ist die Klimabilanz der zweite große Hebel – und auch hier liefert die E.ON-Analyse klare Zahlen. Je nachdem, mit welchem Strom die Fahrzeuge geladen werden, ergibt sich folgendes Bild:

LadestrommixCO₂-Einsparung pro Jahr
100 % Ökostrom~5,5 Millionen Tonnen
Aktueller deutscher Strommix~4,4 Millionen Tonnen

Zum Vergleich: Die mit erneuerbarem Strom betriebenen Fahrzeuge vermeiden laut E.ON so viel CO₂, wie rund 220 Millionen Bäume pro Jahr binden könnten. Martin Endress, Chief Commercial Officer von E.ON Energie Deutschland, spricht von einem „wirkungsvollen Hebel für mehr Klimaschutz auf unseren Straßen“ – und einem „starken Signal“, dass Ende 2025 die Zwei-Millionen-Marke überschritten wurde.

Das ist kein Marketing. Das ist Mathematik.

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Bild: Marek Studzinski @unsplash

Das Ladenetz wächst mit – dank Elektrohandwerk

Zwei Millionen E-Autos brauchen verlässliche Lademöglichkeiten. Und die Infrastruktur hält Schritt: Bundesweit stehen inzwischen knapp 200.000 öffentliche Ladepunkte zur Verfügung – an Fernstraßen, in Innenstädten und auf Supermarktparkplätzen. Hinzu kommen tausende private Wallboxen und betriebliche Ladeeinrichtungen.

Und hier kommt eine Berufsgruppe ins Spiel, die in der Elektromobilitätsdebatte oft zu kurz kommt: das Elektrohandwerk.

Denn hinter jeder Ladestation steckt ein Elektrofachbetrieb. Was dieser dabei leistet, ist mehr als nur Kabel verlegen:

  • Vor-Ort-Analyse: Prüfung von Hausanschluss, Sicherungskasten und Zuleitungen
  • Planung: Auswahl der passenden Wallbox, Ermittlung des Leitungsquerschnitts, Abstimmung mit dem Netzbetreiber
  • Installation: Fachgerechte Montage nach DIN VDE 0100-722, inklusive FI-Schutzschalter
  • Netzanmeldung: Pflichtanmeldung beim Netzbetreiber – übernimmt der Fachbetrieb
  • Integration: Einbindung in Lastmanagementsysteme, PV-Anlagen oder Smart-Home-Systeme

Starkstrom ist kein Heimwerkerprojekt – und mit jedem neuen E-Auto, das auf Deutschlands Straßen kommt, wächst der Bedarf an qualifizierten E-Mobilitäts-Fachbetrieben weiter. Die E-Mobilität ist nicht nur ein Thema für Autohersteller und Energiekonzerne. Sie ist auch ein echter Wachstumsmotor für das Handwerk.

Das E-Auto als Stromspeicher der Zukunft

Die Geschichte endet hier aber noch nicht. Denn E.ON und andere denken bereits einen Schritt weiter.

Mit wachsendem Bestand an Elektrofahrzeugen rückt das bidirektionale Laden – auch Vehicle-to-Grid (V2G) genannt – stärker in den Fokus. Die Idee: E-Autos stehen im Schnitt 23 Stunden am Tag. Diese Standzeit könnte genutzt werden, um Strom nicht nur zu laden, sondern bei Bedarf auch wieder abzugeben – ins Netz, ins Haus, in den Betrieb.

Zwei Millionen fahrende Batterien würden so zu zwei Millionen dezentralen Energiespeichern.

BMW und E.ON haben bereits ein gemeinsames V2G-Angebot gestartet und erproben genau diese Rückspeisung in der Praxis. Erste Serienmodelle sind bereits auf entsprechende Anwendungen vorbereitet.

Das bedeutet für das Elektrohandwerk: Wer heute Wallboxen installiert, installiert morgen intelligente Energieknoten – vernetzt mit Photovoltaikanlagen, Hausspeichern und dem öffentlichen Stromnetz. Ein Berufsbild, das gerade neu definiert wird.

Fazit

1,8 Milliarden Liter Sprit. Bis zu 5,5 Millionen Tonnen CO₂. 220 Millionen Bäume als Äquivalent. Und das alles, weil zwei Millionen Menschen in Deutschland entschieden haben, elektrisch zu fahren – ohne staatliche Kaufprämie, die seit Ende 2023 weggefallen ist.

Diese Zahlen zeigen: Elektromobilität wirkt. Jetzt. Messbar. Und mit jedem weiteren E-Auto, das auf die Straße kommt, wächst diese Wirkung exponentiell.

Damit das Ladenetz mithalten kann – zu Hause, im Betrieb, an der öffentlichen Ladesäule – braucht es qualifizierte Elektrofachbetriebe, die die nötige Infrastruktur planen und installieren. Die stillen Helden der Energiewende. Und die haben gerade ordentlich zu tun.

Quellen:

  • E.ON Pressemitteilung vom 27.02.2026
  • Kraftfahrt-Bundesamt
  • Institut für Energie- und Umweltforschung Heidelberg (ifeu)

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