Deutschland tankt Strom

Während die Schlagzeilen sich auf reine Elektroautos konzentrieren, vollzieht sich im Hintergrund ein bemerkenswerter Boom: Plug-in-Hybride (PHEV) erleben 2025 ein Comeback, das viele Experten überrascht. Mit über 311.000 Neuzulassungen und einem Wachstum von 62 Prozent gegenüber dem Vorjahr sind sie die Gewinner des Jahres. Fast jeder zehnte neu zugelassene Pkw in Deutschland ist mittlerweile ein Plug-in-Hybrid.

Von der Krise zum Comeback

2023 war ein Katastrophenjahr für Plug-in-Hybride. Die vorzeitig gestrichene Förderung ließ die Neuzulassungen um mehr als 50 Prozent einbrechen. Viele Experten schrieben die Technologie bereits ab – eine Übergangslösung ohne Zukunft.

Doch 2025 erzählt eine andere Geschichte:

  • 311.398 Neuzulassungen – ein Plus von 62,3 Prozent
  • Marktanteil von 10,9 Prozent – fast jedes zehnte Neufahrzeug
  • Besonders stark im August und September – teilweise über 85 Prozent Wachstum

Zum Vergleich: Reine Elektroautos wuchsen „nur“ um 43 Prozent. Plug-in-Hybride sind damit die am schnellsten wachsende Antriebsart 2025.

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Bild: Waldemar Brandt @unsplash

Firmenwagen als Treiber des Wachstums

Der Erfolg der Plug-in-Hybride hat einen klaren Grund: den Firmenwagenmarkt. Rund 79 Prozent aller neu zugelassenen PHEVs gehen auf gewerbliche Halter. Bei reinen Elektroautos liegt dieser Anteil nur bei 64 Prozent.

Warum sind PHEVs bei Firmenwagen so beliebt?

Die 0,5-Prozent-Regelung macht den Unterschied. Während Verbrenner mit einem Prozent des Bruttolistenpreises als geldwerter Vorteil versteuert werden müssen, sind es bei Plug-in-Hybriden nur 0,5 Prozent – genau wie bei reinen Elektroautos.
 
Ein Rechenbeispiel: Ein Mercedes E 300 e mit einem Listenpreis von 60.000 Euro kostet als Dienstwagen monatlich:
 
  • Als Verbrenner: 600 Euro geldwerter Vorteil
  • Als Plug-in-Hybrid: 300 Euro geldwerter Vorteil
  • Ersparnis: 300 Euro pro Monat, 3.600 Euro pro Jahr
 
Über drei Jahre summiert sich das auf 10.800 Euro – damit ist der Mehrpreis für den Hybridantrieb oft schon gedeckt.

Neue Anforderungen ab 2025: Die 80-Kilometer-Grenze

Doch der steuerliche Vorteil kommt nicht bedingungslos. Seit dem 1. Januar 2025 gelten verschärfte Anforderungen:

Für die 0,5-Prozent-Regelung muss ein PHEV erfüllen:

  • Mindestens 80 Kilometer elektrische Reichweite oder
  • Maximal 50 Gramm CO₂-Ausstoß pro Kilometer

Die bisherige Grenze von 40 Kilometern reicht nicht mehr aus. Das zwingt Hersteller, größere Batterien zu verbauen und treibt die Entwicklung voran.

Aktuelle Modelle, die die 80-Kilometer-Grenze erfüllen:

  • Mercedes E-Klasse PHEV: bis zu 113 km elektrische Reichweite
  • VW Passat eHybrid: bis zu 124 km
  • VW Tiguan PHEV: bis zu 120 km
  • Audi A6 PHEV: 105 km
  • BMW 5er PHEV: 98 km

Ältere Modelle wie der VW Passat GTE mit nur 50-60 km Reichweite fallen aus der Förderung heraus – ein Problem für viele Bestandsfahrzeuge.

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Bild: Benjamin Marder @pixabay

Wann macht ein Plug-in-Hybrid wirklich Sinn?

Die Frage ist berechtigt: Für wen lohnt sich ein Plug-in-Hybrid tatsächlich? Die Antwort hängt stark vom Nutzungsprofil ab.


PHEV macht Sinn für:

  • Pendler mit Lademöglichkeit:
    Wer täglich 30-80 Kilometer zur Arbeit fährt und zu Hause oder am Arbeitsplatz laden kann, profitiert maximal. Die Pendelstrecke wird elektrisch zurückgelegt, am Wochenende steht der Verbrenner für Langstrecken bereit.
  • Firmenwagen-Fahrer:
    Die 0,5-Prozent-Regelung macht PHEVs zur steuerlich günstigsten Option – vorausgesetzt, die 80-Kilometer-Grenze wird erreicht.
  • Vielfahrer mit gemischtem Profil:
    Wer regelmäßig sowohl Kurzstrecken in der Stadt als auch Langstrecken auf der Autobahn fährt, kombiniert das Beste aus beiden Welten: Elektrisches Fahren im Stadtverkehr, Flexibilität auf langen Strecken.

 

PHEV macht KEINEN Sinn für:

  • Autobahnvielfahrer ohne Lademöglichkeit:
    Wer ausschließlich Langstrecke fährt und nie lädt, schleppt nur unnötiges Batteriegewicht mit sich herum. Ein effizienter Diesel ist hier die bessere Wahl.
  • Reine Stadtfahrer:
    Wer nur in der Stadt unterwegs ist und zu Hause laden kann, fährt mit einem reinen Elektroauto besser und günstiger.
  • Die goldene Regel:
    Ein Plug-in-Hybrid ist nur so gut wie sein Ladeverhalten. Wer nicht lädt, zahlt drauf.

Die Rolle des E-Handwerks bei Plug-in-Hybriden

Auf den ersten Blick scheinen Plug-in-Hybride weniger Ladeinfrastruktur zu benötigen als reine Elektroautos. Doch das täuscht. Gerade weil PHEVs regelmäßig geladen werden sollten, um ihre Vorteile auszuspielen, ist professionelle Ladeinfrastruktur unverzichtbar.

Privates Laden: Die meisten PHEV-Besitzer laden zu Hause über Nacht. Eine professionell installierte Wallbox mit 11 kW lädt die typischen 15-20 kWh Batterien in 2-3 Stunden vollständig. Das E-Handwerk sorgt hier für sichere Installation, korrektes Lastmanagement und Zukunftssicherheit.

Betriebliches Laden: Unternehmen, die Plug-in-Hybride als Dienstwagen bereitstellen, müssen ihren Mitarbeitern Lademöglichkeiten bieten – sowohl am Firmenparkplatz als auch idealerweise zu Hause. Hier sind intelligente Lösungen gefragt:

  • Lastmanagement für mehrere Ladepunkte
  • Abrechnung der geladenen Strommengen
  • Integration von PV-Anlagen für günstigen Eigenstrom

 

Neue Abrechnungsregelungen ab 2026:
Ab Januar 2026 entfallen die bisherigen Pauschalen für das Laden von Dienstwagen. Stattdessen müssen die tatsächlich geladenen Kilowattstunden nachgewiesen werden. Das erfordert geeichte Zähler und professionelle Abrechnungssysteme – ein klarer Auftrag für qualifizierte Elektrofachbetriebe.

Fazit

Plug-in-Hybride sind 2025 zurück – und zwar mit Macht. Das Wachstum von 62 Prozent zeigt: Die Technologie hat ihre Berechtigung, vor allem im Firmenwagenmarkt.

Doch der Erfolg birgt auch eine Verantwortung: Plug-in-Hybride müssen auch tatsächlich elektrisch gefahren werden. Nur dann sind sie klimafreundlicher als reine Verbrenner. Hier spielen zwei Faktoren eine entscheidende Rolle:

  1. Reichweite: Die neue 80-Kilometer-Grenze zwingt Hersteller zu größeren Batterien – ein wichtiger Schritt.
  2. Ladeinfrastruktur: Ohne komfortable Lademöglichkeiten bleibt das Potenzial ungenutzt.

Das E-Handwerk ist dabei unverzichtbar. Von der privaten Wallbox über betriebliche Ladelösungen bis zur neuen Abrechnungspflicht ab 2026 – professionelle elektrische Infrastruktur macht den Unterschied zwischen einem rollenden Batterie-Gewicht und einem echten Beitrag zur Elektromobilität.

Die Zukunft gehört der vollen Elektrifizierung. Aber auf dem Weg dorthin sind Plug-in-Hybride für viele Menschen die passende Brückentechnologie – vorausgesetzt, sie werden richtig genutzt.

Quellen:

  • Kraftfahrt-Bundesamt (KBA), Januar 2026
  • electrive.net: „Bilanz 2025: Elektroauto-Neuzulassungen auf Rekordhoch“, Januar 2026
  • Monitoringbericht 2025: „Neuzulassungen von Pkw mit elektrischen Antrieben“, Alternativ Mobil
  • VDIK: „Anstieg der Neuzulassungen im August – Politisches Paradox bei den Plug-In-Hybriden“, September 2025
  • GoingElectric.de: „Zulassungszahlen für Elektroautos und Plug-In Hybride November 2025“, Dezember 2025
  • InsideEVs: „Neuzulassungen: BEV und Plug-in-Hybride stark im Oktober 2025“, November 2025
  • Vimcar: „Hybrid Steuervorteil 2025: Was Sie über die Besteuerung von Hybrid-Dienstwagen wissen müssen“, August 2025
  • EnBW Blog: „Plug-in-Hybride 2025: Spannende Modelle im Überblick“, März 2025
  • ADAC: „Plug-in-Hybrid-Autos: Modelle, Reichweiten, Kosten, Verbrauch“, Juli 2025
  • ADAC: „Pkw-Neuzulassungen Dezember 2025: Furioses Finale?“, Januar 2026

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