Deutschland tankt Strom

Nach zwei schwachen Jahren meldet Kia für 2026 einen echten Wendepunkt – und zwar einen ungewöhnlichen: Nicht die Verkaufszahlen allein sind die Story, sondern dass selbst der Hersteller von der eigenen Nachfrage überrascht wurde. „Mit den vergangenen zwei Jahren sind wir nicht zufrieden, mit dem laufenden Geschäftsjahr dagegen sehr. Wir schaffen 2026 den Turnaround„, sagt Thomas Djuren, Geschäftsführer von Kia Deutschland.

Wenn die Produktion der Nachfrage hinterherhinkt

Die eigentliche Überraschung liegt nicht in den bisherigen Zulassungszahlen. 2025 verzeichnete Kia mit 60.400 Neuzulassungen das schwächste Jahr seit 2015, und auch die 30.900 Einheiten zur Jahresmitte 2026 wirken auf den ersten Blick kaum besser. Der Grund dafür ist bemerkenswert: Die Produktion konnte dem Ansturm zunächst nicht folgen.

„Die Nachfrage ist deutlich höher, als wir das Ende 2025 erwartet hatten. Wir sind deshalb im ersten Halbjahr mit der Produktion nicht hinterhergekommen“, so Djuren. 

Kia hat die Produktionskapazitäten für den deutschen Markt inzwischen erhöht, um den Rückstand aufzuholen.

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Bild: Michael Fousert @unsplash

Die Orderbank spricht eine klare Sprache

Besonders aufschlussreich ist der Blick auf die Bestellungen statt auf die bereits zugelassenen Fahrzeuge: Die Orderbank ist mittlerweile dreimal so groß wie im Vorjahreszeitraum – und ein Großteil davon ist elektrisch. Rund 70 Prozent aller Neubestellungen entfallen aktuell auf batterieelektrische Modelle, deutlich mehr als die ursprünglich geplanten 40 Prozent.

Bis Jahresende rechnet Kia mit 70.000 Neuzulassungen insgesamt, der Elektro-Anteil soll dann jenseits der 50 Prozent liegen. Ausgelöst hat den Schub unter anderem der Irankrieg Anfang 2026: Nach dem darauffolgenden Anstieg der Spritpreise zog die Nachfrage nach den Elektromodellen des Herstellers spürbar an.

Kein Einzelfall, sondern eine breite Bewegung

Der aktuelle Nachfrageschub ist Teil einer größeren Entwicklung: Bereits im August meldete Kia in Deutschland die Marke von 100.000 verkauften Elektroautos – im ersten Halbjahr 2026 stieg der Elektro-Absatz der Marke um 87 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum, während der Gesamtmarkt im gleichen Zeitraum um 48 Prozent zulegte. 

Kia hat damit bereits in den ersten sieben Monaten 2026 mehr Elektroautos verkauft als im gesamten Jahr 2025.

Getragen wird diese Entwicklung von einer breit aufgestellten Modellpalette: Aktuell umfasst das Kia-Angebot 15 vollelektrische Modelle und Modellvarianten, etwa die Hälfte davon kam erst seit Ende 2025 hinzu – vom kompakten Einstiegsmodell bis zum großen SUV. Diese Vielfalt zeigt sich auch abseits der Verkaufszahlen: Bei Online-Suchanfragen speziell zu Elektroautos verzeichnete die Marke ein Plus von 404 Prozent.

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Bild: Juice @unsplash

Was das über den Gesamtmarkt aussagt

Die Kia-Story ist deshalb bemerkenswert, weil sie nicht von einer ohnehin schon elektroaffinen Marke kommt. Kia galt lange als klassischer Verbrenner-Hersteller mit soliden, aber unspektakulären Absatzzahlen. Wenn ausgerechnet hier die Elektro-Nachfrage die eigene Planung sprengt, ist das ein Signal dafür, wie breit die Akzeptanz für E-Autos inzwischen in der Bevölkerung angekommen ist – nicht nur bei Technikbegeisterten oder Premium-Käufern, sondern im ganz normalen Massenmarkt.

Was das für die Ladeinfrastruktur bedeutet

Wenn eine Marke wie Kia binnen weniger Monate von 40 auf 70 Prozent Elektro-Anteil bei den Neubestellungen springt, entsteht daraus eine neue, sehr breite Käuferschicht mit Ladebedarf – Menschen, die bislang vielleicht noch keinen Kontakt mit dem Thema Wallbox hatten. Gerade weil Kia in unterschiedlichsten Fahrzeugsegmenten aktiv ist, vom kompakten Stadtauto bis zum großen SUV, kommen ganz unterschiedliche Haushalte mit ganz unterschiedlichen Anforderungen an die Ladeinfrastruktur dazu.

Für das E-Handwerk bedeutet das: Die Zielgruppe für Beratung und Installation wird nicht nur größer, sondern auch vielfältiger. Wer bislang dachte, E-Auto-Fahrer seien vor allem eine kleine, technikaffine Gruppe, muss umdenken – die Nachfrage kommt inzwischen aus der Mitte der Gesellschaft.

Fazit

Die Kia-Zahlen sind mehr als eine Herstellermeldung – sie sind ein Stimmungsbild für den gesamten deutschen Automarkt. Wenn selbst ein Hersteller wie Kia von der eigenen E-Auto-Nachfrage überrascht wird und die Produktion hochfahren muss, zeigt das: Der Umstieg auf Elektromobilität ist längst kein Nischentrend mehr, sondern eine breite gesellschaftliche Bewegung. Für das E-Handwerk heißt das, sich auf eine wachsende und zunehmend vielfältige Kundschaft einzustellen.

Quellen:

  • elektroauto-news.net, elektroquatsch.de

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